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Kunstturnen - TV Hinwil - Ehemalige Nationalkader-Athletin

Stefanie Siegenthaler

Die internationale Bühne lehrte sie, mit Druck, Erwartungen und Unsicherheit umzugehen. Erfahrungen, die sie bis heute prägen.

Stefanie Siegenthaler ist weit mehr als eine ehemalige Kunstturnerin. Sie ist eine Frau, die gelernt hat, auf ihren Körper zu hören, Herausforderungen anzunehmen und ihren eigenen Weg mit Klarheit, Willenskraft und Herz zu gehen.

Was als kleines Mädchen neben der Turnmatte begann, wurde zu einem roten Faden in ihrem Leben: das Kunstturnen. Es forderte sie, prägte sie und schenkte ihr Momente, die bleiben. Nicht nur wegen der Erfolge, sondern wegen dem, was daraus entstanden ist: Disziplin, Selbstvertrauen, Körperbewusstsein und eine aussergewöhnliche mentale Stärke.

Ihr Weg

Stefanies Einstieg ins Kunstturnen war beinahe Schicksal. Während ihre Mutter trainierte, sollte sie als Kleinkind eigentlich nur in der Halle warten. Doch statt mit Spielsachen beschäftigt zu bleiben, stellte sie sich kurzerhand in die Reihe der Turnerinnen. Sie war vier Jahre alt und hatte schon damals ein feines Gespür dafür, wo sie hingehört.

Das Turnen wurde für sie zu einer Lebensschule. Jeder kleine Fortschritt, jede gelungene Übung und jedes neue Element zeigte ihr, dass sich harte Arbeit auszahlt. Gleichzeitig lernte sie früh, dass Entwicklung nicht nur aus Erfolgen besteht, sondern auch aus schwierigen Phasen, Rückschlägen und Momenten, in denen man sich selbst neu begegnet.

Besonders prägend war für sie die öffentliche Auseinandersetzung rund um die «Magglinger Protokolle». Stefanie konnte und kann bis heute nicht verstehen, wie das Turnen so schlecht dargestellt werden konnte. Sie selbst war Teil dieser Welt und hat ihre Zeit anders erlebt. Sie spricht mit Dankbarkeit über das damalige Trainerteam, über ihre körperliche und mentale Weiterentwicklung und darüber, dass hinter jeder Geschichte verschiedene Perspektiven stehen.

Auch persönliche Herausforderungen haben sie geprägt. Schlechtere Wettkämpfe, schwierige Phasen und die Zeit, in der sie untergewichtig war, empfand sie zunächst als Rückschläge. Rückblickend wurden sie jedoch zu inneren Kraftspendern. Sie lernte, auf ihren Körper zu hören und seine Signale ernst zu nehmen. Dieses Bewusstsein half ihr später, ihre Krebsdiagnose rechtzeitig zu erkennen.

Heute blickt Stefanie nicht nur auf eine sportliche Karriere zurück, sondern auf einen Weg, der sie als Mensch geformt hat.

Was sie geprägt hat

Stefanies sportlicher Weg führte sie an sieben Europameisterschaften, vier Weltmeisterschaften und in ein Mehrkampffinal der WM. Der olympische Test-Event in Rio, ihre Podestplätze an Schweizer Meisterschaften und am Eidgenössischen Turnfest gehören zu den sichtbaren Meilensteinen ihrer Karriere.

Doch was diese Erfolge wirklich erzählen, liegt tiefer: Jahre voller Disziplin, körperlicher Grenzen, mentaler Stärke und der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen. Hinter jedem Resultat steht ein Mensch, der gelernt hat, mit Druck, Erwartungen und Rückschlägen umzugehen.

Genau darin liegt Stefanies Stärke. Sie weiss, dass Leistung nicht nur auf der Wettkampffläche entsteht, sondern in den vielen stillen Momenten davor: im Dranbleiben, im Aushalten, im Vertrauen, dass der eigene Weg Sinn macht.

Persönlichkeit und Werte

Stefanie beschreibt sich selbst als fürsorglich, willensstark und ungeduldig. Drei Eigenschaften, die auf den ersten Blick unterschiedlich wirken, in ihrem Leben aber eine klare Linie bilden.

Ihre Fürsorglichkeit zeigt sich im Umgang mit Menschen. Ihre Willensstärke hat sie durch Hochleistungssport und Krankheit getragen. Und ihre Ungeduld ist vielleicht genau dieser innere Antrieb, der sie nicht warten lässt, sondern handeln.

Sie ist jemand, der Verantwortung übernimmt. Für sich, für ihren Körper und für das, was ihr wichtig ist.

 

Was sie aus dem Sport mitnimmt

Für Stefanie ist Turnen eine Lebensschule. Vor allem die Disziplin hat sie geprägt. Frühe Selbstständigkeit, strukturierte Tage und der Umgang mit Herausforderungen wurden zu einem Fundament, das sie bis heute trägt.

Ohne diese fast erzwungene Disziplin wäre vieles nicht möglich gewesen, sagt sie. Heute hilft ihr genau diese Fähigkeit im Alltag: bei Entscheidungen, beim Setzen von Prioritäten und im Vertrauen in die eigene Kraft.

Der Spitzensport hat ihr gezeigt, dass Fortschritt selten geradeaus verläuft. Manchmal braucht es Geduld. Manchmal Mut. Und manchmal Menschen, die einem helfen, weiterzugehen.

 

Kraftquellen

Wenn es schwierig wird, findet Stefanie Halt bei den Menschen, die ihr nahestehen: ihrem Freund, ihrer Familie und ihren Kolleginnen. Sie sind ihr Sicherheitsnetz und erinnern sie daran, dass Stärke nicht bedeutet, alles allein schaffen zu müssen.

Kraft findet sie auch in einfachen Momenten: Kaffee, Natur, gute Gespräche. Ein perfekter Moment für sie? Ein Seeufer, ein Cappuccino und Menschen, die ihr guttun.

Unser Ziel

Hinter jeder Leistung steht eine einzigartige Geschichte. Legends würdigt Persönlichkeiten, die mit Leidenschaft, Einsatz und Charakter ihren eigenen Weg gegangen sind und damit andere inspirieren.


Wir schenken ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen: vor dem grossen Durchbruch und auch über die aktive Spitzensportkarriere hinaus. Denn wir von NFF Gym sehen ihre Geschichten, ihre Werte und ihr Vermächtnis ein Teil unserer Gemeinschaft.

​Was sie weitergeben möchte

Aus ihrem eigenen Weg möchte Stefanie vor allem eines weitergeben: Reden hilft.

Es ist ihr wichtig, über Gefühle zu sprechen. Wer sich öffnet, kann verstanden werden – im Sport genauso wie im Leben. Rückblickend hätte sie zudem früher mit Mentaltraining begonnen. Heute sieht sie darin einen wichtigen Baustein für gesunde Leistungsfähigkeit.

Ihre Botschaft ist klar: Dranbleiben lohnt sich. Auch dann, wenn der Weg schwer wird. Denn Ausdauer verändert Leben.

 

Persönliches

Stefanie spricht offen über ihren Weg und gibt gerne Einblick in das, was sie geprägt hat. Und trotzdem gibt es Dinge, die überraschen: Sie hat Angst vor Luftballons. Ihr Wunsch ist deshalb klar: Bitte keine Luftballons schenken, lieber Blumen. Diese Mischung aus Stärke, Offenheit und einem liebevollen Augenzwinkern macht sie aus.

Heute und morgen

Stolz ist Stefanie vor darauf, wie sie ihr Leben meistert, im Einklang mit dem, was sie fühlt und braucht.

Nach ihrer Ausbildung zur medizinischen Masseurin möchte sie Menschen unterstützen, heilen und stärken. Vielleicht führt sie dieser Weg zurück in den Sport, diesmal als Begleiterin und Therapeutin.

 

Ganz privat träumt sie von einer eigenen Familie.

Wenn Menschen in Zukunft ihren Namen hören, sollen sie an Kunstturnen denken. Und an die Frau mit den Schweizerkreuz-Fingernägeln, die an Grossanlässen ein kleines Stück Heimat sichtbar mitgetragen hat. Vor allem aber soll ihre Geschichte zeigen: Es lohnt sich, den eigenen Weg zu gehen. Mit Mut, Ausdauer und dem Vertrauen, dass auch schwierige Zeiten Teil einer starken Geschichte sein können.

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